Botanische Wanderung Pfaffenhütchen e.V.

im Stadtgebiet von Niederkassel

 

Unter der Führung vom Dipl. Biologen Friedhelm Meier unternahmen die Mitglieder vom Pfaffenhütchen e.V. am 23.6.2007 eine botanische Wanderung entlang von landwirtschaftlichen Nutzflächen und Gärten in Niederkassel. Alle waren erstaunt über die Vielfalt der Blütenpflanzen und die Bedeutung vieler unscheinbarer Wild- und Heilkräuter für die Fauna und für den Menschen.

 

Friedhelm Meier vor interessierten Zuhörern

 

Acker-Brache

Senecio jacobaea (Jakobs-Greiskraut) – Fam. Korbblütler

Senecio vulgaris (Gemeines Greiskraut) – Fam. Korbblütler
früher gegen Nasenbluten

Senecio inaequidens (Schmalblättriges Greiskraut) – Fam- Korbblütler

Neophyt: seit den 70’er Jahren; aus Südafrika entlang der Verkehrswege eingewandert

Gattung Senecio:

  • leberschädigend und krebsauslösend, auch nach Monaten auch über Kuhmilch oder Honig; vom Vieh frisch gemieden; Schäden oft durch Heu

Taraxanum officinale (Echter Löwenzahn) – Fam Korbblütler

‚Sammelart’, mehrere Unterarten, sehr formenreich, noch in Ausbreitung begriffen

‚Butterblume’: Blüten zum Butterfärben

auf nährstoffreichen Böden; Tiefwurzler bis 2m
Inhaltsstoffe: Bitterstoff, Inulin, Mineralstoffe, Vitamine
Milchsaft mit 0,1% Kautschuk

  • harntreibend, stoffwechselanregend; Wurzeln im Herbst geröstet als Kaffeeersatz und bei Lebererkrankungen

Vicia sativa (Futter-Wicke) – Vicia: Fam. Schmetterlingsblütler
Vicia tetrasperma (Viersamige Wicke)
Vicia hirsuta (Rauhhaarige Wicke)

Trifolium pratense - Fam. Schmetterlingsblütler

Futterpflanze, nährstoffreiche Böden

  • Blüten als Hustenmittel
  • viele Schmetterlingsblütler: Fixierung von Luftstickstoff in Symbiose mit Bakterium Rhizobium

Malva silvestris (Wilde Malve) – Fam. Malvengewächse

reichl. Insektenbesuch, zum Färben von Lebensmitteln

  • Blätter und Blüten wirken Husten lindernd (Malventee) und zum

Epilobium angustifolium (Schmalblättriges Weidenröschen) – Fam. Nachtkerzengewächse

auf frischen nährstoffreichen Lehmböden, wichtige Bienenfutterpflanze

  • gerbstoffreiche Blätter gegen Prostatabeschwerden

 

Ruderalfläche am Sportplatz

Bryonia dioica (Rotbeerige Zaunrübe) – Fam. Kürbisgewächse

zweihäusig, zuletzt 20 cm dicke Rübe; Sandbiene Andrena florea sammelt ausschließlich Pollen von Bryonia

  • Beeren stark giftig: 15 Beeren bei Kindern tödlich; Wurzeln drastisches Abführmittel, bei hoher Dosierung Gefahr einer Atemlähmung

Chelidonium majus (Schöllkraut, Warzenkraut) – Fam. Mohngewächse

  • Milchsaft gg. Warzen (Reizungen bei empfindlicher Haut); Verwendung frischer Pflanzen als Tee und Fertigpräparate gegen Leber- und Galleleiden; narkotisierend durch zahlreiche Alkaloide - schwächere Wirkung als Opium

Reseda luteola (Färber-Wau, Färber-Resede) – Fam. Resedengewächse

Archäophyt; Färberpflanze: gelb, grün, braun; bis 19. Jh. angebaut

Wau = gelbfärbende Pflanzen

  • resedere = beruhigen; arzneilich als Beruhigungsmittel; Samen mit 35% verwertbarem Öl

Oenothera biennis (Nachtkerze) – Fam. Nachtkerzengewächse

Neophyt, Blüten duften besondes nachts

  • Wurzeln kraftspendend; Zubereitung wie Schwarzwurzeln

Hypericum perforatum (Tüpfel-Johanniskraut )Fam. Johanniskrautgewächse

hoher Gehalt an ätherischen Ölen und Gerbstoffen; Öldrüsen durchscheinend; Färberpflanze

  • Hypericin wirkt entzündungshemmend aber photosensibilisierend; Mittel gegen Altersdepression

Melilotus albus (Weißer Steinklee) – Fam. Schmetterlingsblütler

Bienenweide, Mottenmittel, als Tabakersatz in Notzeiten (‚letzter Hieb’)


Verbascum thapsus (Kleinblütige Königskerze) – Fam. Rachenblütler

  • Blüten bei Husten als auswurfförderndes Mittel und gegen Rheuma

Daucus carota (Wilde Möhre) – Fam. Korbblütler
in der Mitte durch Anthocyane gefärbte schwarze Blüte (=’Mohr’)

  • itaminreiche Wurzel, schon Germanen bekannt; Färbung durch Karotin

Artemisia vulgaris (Gemeiner Beifuß) – Fam. Korblütler
würziger Geruch beim Zerreiben,

  • aufgrund ätherischer Öle und Bitterstoffe anregend auf Verdauungsdrüsen; im Magenbitter, Füllung von Geflügel

 

Hackfruchtäcker:

Equisetum arvense (Zinnnkraut) – Fam. Schachtelhalmgewächse
Lehm und Grundfeuchteazeiger

  • harntreibend, früher gegen Tuberkulose

Capsella bursa-pastoris (Hirtentäschelkraut) – Fam. Kreuzblütler
scharfer, kresseähnlicher Geschmack, junge Pflanzen als Salat

  • nnerlich und äußerlich blutstillend; Presssaft gegen Hämorrhoiden; im Mittelalter angeblich Jungfrauen zur Dämpfung der Lust verabreicht

Anagallis arvensis (Acker-Gauchheil) – Fam. Primelgewächse
Archäophyt; Blüte nur 7-14 Uhr geöffnet

  • schwachgiftig in allen Teilen, früher gegen Geisteskrankheiten verabreicht; in Indien zum Fischfang verwendet

Veronica hederifolia ( Efeublättriger Ehrenpreis) – Fam. Rachenblütler
Bestäuber: kleine Tagfalter, Bienenverwandte, Fliegen


Plantago major / P. lanceolata (Breit-Wegerich, Spitz-Wegerich) – Fam. Wegerichgewächse

  • junge Blätter als Teeaufguss; bei Erkrankung der Atemwege: reizmildernd, auswurffördernd, wundheilend; äußerliche Anwendung bei Verbrennungen und Hautflechten

Chenopodium album (Weißer Gänsefuß) – Fam Gänsefußgewächse

  • junge Blätter für Gemüse, Salate; Geschmack spinatartig; Früchte in der Steinzeit zu Mehl gemahlen

Fumaria officinalis (Gemeiner Erdrauch) – Fam. Erdrauchgewächse

  • in der Volksmedizin bei Gallenbeschwerden, Gelbsucht; schweiß- und stuhltreibend

Polygonum aviculare (Vogel-Knöterich) Fam. Knöterichgewächse
junge Bätter als Gemüse

  • Inhaltsstoffe: Kieselsäure, Gerbstoffe und Flavonoide - gegen Husten, Tuberkulose und Lungenleiden

Polygonum convolvulus (Winden-Knöterich) – Fam. Knöterichgewächse
Archäophyt

 

Getreideäcker

Cirsium arvense (Acker-Kratzdistel) – Fam. Korbblütler
vegetative Vermehrung über (zerteilte) Wurzelsprosse; Wichtige Nektarquelle für Tagfalter


Cirsium vulgare (Echte Kratzdistel) – Fam. Korbblütler


Viola arvensis (Acker-Stiefmütterchen) – Fam. Veilchengewächse

  • gegen Hauterkrankungen und bei Husten und Halsentzündungen

Sonchus oleraceus / Sonchus asper (Kohl-Gänsedistel / Rauhe Gänsedistel) – Fam. Korbblütler
gutes Viehfutter, junge Blätter als Salat


Lactula serriola (Kompasslattich) – Fam. Korbblütler
Stammpfanze des grünen Salats


Sisymbrium officinale (Weg-Rauke) – Fam Kreuzblütler
junge Blätter nach Abbrühen essbar; abgestorbene Pflanzenteile als Besen genutzt


Matricaria chamomilla (Echte Kamille) – Fam. Korbblütler
intensiver Kamillegeruch, Körbchen innen hohl

  • altes Heilmittel, z.B. bei Magenbeschwerden und Entzündungen

Matricaria inodora (Geruchlose Kamille) – Fam. Korbblütler
kein Kamillegeruch, Körbchen innen gefüllt, ähnlich echter Kamille


Matricaria matricaroides (Strahllose Kamille) – Fam. Korbblütler
Neophyt; riecht schwach nach Kamille


Achillea millefolium (Schafgarbe) – Fam. Korbblütler
Schafe lassen Blütenstände stehen (=Name)

  • Blätter wg. ätherischer Öle arzneilich ähnlich wie Kamille verwendet; junge Blätter als Wildgemüse

Convolvulus arvensis (Ackerwinde) – Fam. Windengewächse
Lehm- und Wärmezeiger; Archäophyt; 2m tiefes Wurzelwerk

  • früher als Abführmittel

Rumex obtusifolius (Stumpfblättriger Ampfer) – Fam. Knöterichgewächse)
Stickstoffanzeiger

  • Wurzel gegen Hautausschläge

Centaurea jacea (Wiesen-Flockenblume) – Fam. Korbblütler
Dreihäusig!, Bienenpflanze, ‚schlechte’ Vieh-Futterpflanze

 

Restliche Wegstrecke

Urtica dioica (Große Brennnessel ) – Fam. Brennnesselgewächse

Nährpflanze von Kleinem Fuchs und Tagpfauenauge; früher: Faserpflanze – ‚Nessel’ (fester als Leinfaser)

Färberpflanze: gelb; Vermehrung durch Rhizom

  • Gerbsäure, Vitamin C: blutzuckersenkend, entschlackend u.v.m.; gegen Rheuma; als Tee, Suppe, Salat etc.

Papaver dubium/ Papaver rhoeas (Sand-Mohn / Klatsch-Mohn) – Fam. Mohngewächse

  • außer Samen sind alle Pflanzenteile schwach giftig, der Milchsaft enthält zahlreiche Alkaloide, besonders das opiumverwandte Rhoedadin: im Mittelalter erhielten Kleinkinder erhielten Absud von Mohnköpfen zur Beruhigung

Geum urbanum (Echte Nelkenwurz; Benidiktenkraut)

  • Rhizom beinhaltet Nelkenöl; Wurzeln als Nelkenersatz; Gurgelmittel bei Zahnfleischentzündungen, stopfendes Mittel

Galium aparine (Kletten-Labkraut) – Fam- Rötegewächse
Wurzeln zum Rotfärben


Dipsacus silvestris (Wilde Karde) – Fam. Kardengewäche
Archäophyt; bis Anfang 20. Jh. angebaut als ‚Weberkarde’: zum Aufrauhen von Wolle


 

und natürlich…

Euonymus europaea (Europäisches Pfaffenhütchen)

  • schwach giftig, vor allem in den Samen durch Digitaloide und Alkaloide

Früchte bei Rotkehlchen beliebt
hartes dauerhaftes Holz: von Drechslern zur Herstellung von Garnspindeln genutzt (‚Spindelbaum’)


Weiterführende Literatur:

Düll R und Kutzelnigg H.: Botanisch-ökologisches Exkursionstaschenbuch, Quelle & Meyer, Heidelberg 1992

Flitter, R.: Pareys Blumenbuch: wildblühende Pflanzen Deutschlands und Nordwesteuropas, Paul Parey, Hamburg 1975

Schmeill O. und Fitschen J.: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten, Quelle & Meyer, Heidelberg 1982

 

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